Ausgrabung im Südburgenland: Einzigartig aus der Römerzeit

HuegelgraeberhallstattzeitStariGrobiCembaSchandorfFotoPrinzDie Archäologen trauten ihren Augen kaum, als sie bei Grabungen neben dem Badesee Burg bei Hannersdorf im Bezirk Oberwart auf die seltenen Fundstücke stießen, die in Österreich und in Europa einzigartig sind.

120 Keramikbrennöfen aus der Römerzeit

Auf dem Feld wurden 120 Keramikbrennöfen entdeckt, wo vor etwa 2000 Jahren während der Römerzeit industrielle Gebrauchskeramik hergestellt wurde.

Im Bild: Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb bei der Ausgrabungsstätte in Burg.

Die Lehrgrabung für die StudentInnen des Instituts für Klassische Archäologie der Uni Wien brachte im Südburgenland ganz besondere Ergebnisse.

 Erwartungen übertroffen

ScherbenGebrauchsgeschirrRoemerzeitFotocPrinzSCHNAPPENat"Unsere Erwartungen wurden dabei übertroffen. Sowohl die Öfen als auch die umliegenden Gruben waren mit Keramik befüllt. Dabei gebe es "auffallend viele im Ganzen erhaltene Gefäße, was nicht oft vorkommt", so die Grabungsleiterin Basema Hamarneh, Professorin der Klassischen Archäologie an der Universität Wien, gegenüber der APA.

Im Bild: Scherben und viele im Ganzen erhaltene Gefäße.

Eine ähnlich große Keramikfabrik kenne man bisher nur aus Serbien (Hrtovci-Gomolava). "Wir haben es hier mit einer riesigen Arbeitsorganisationsstruktur zu tun", sonst finde man nur eine geringe Anzahl an Brennöfen von lokalen Gemeinschaften, erklärteHamarneh.

Erhaltungsgrad extrem gut

"Der Erhaltungsgrad der Öfen ist extrem gut", zeigte sich Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb im Gespräch mit SCHNAPPEN.AT über die Fundstücke begeistert.

Ausgrabungen bis 7.8.2026

Am 7.8.2026 muss die Ausgrabungsstätte wieder geschlossen werden. Bis dahin arbeiten die etwa 16 ArchäologInnen und StudentInnen in Burg, um die interessanten Funde freizulegen und zu dokumentieren.

Mehr über

  • ein Interview mit der Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb und die Ausgrabungsstätte in Burg - hier
    • von der Steinzeit bis zu den Römern - hier
    • wichtige Funde & das "südburgenländisches Carnuntum" - hier
    • Geschirr, Scherben und Abfallkeramik - hier
    • die Zukunft der Ausgrabungsstätte und die Finanzierung - hier
    • die touristische Belebung, ähnlich wie in Schandorf? - hier
  • die Hügelgräber im Nachbarort Schandorf - hier

Fotos (c): Prinz, SCHNAPPEN.AT

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Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb im Interview

MichaelaLoefflerLeutgebFotocPrinzSCHNAPPENatDie Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb zeigte und erklärte SCHNAPPEN.AT die Ausgrabungsstätte beim Badesee Burg, bei der außer den 120 Keramikbrennöfen, eine Lehmentnahmegrube, Pfostenhäuser, Strukturen von Hügelgräbern auch eine Lehmgrube gefunden wurden.

Im Bild: Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb.

"Voll mit Öfen und Pfostenhäusern"

SCHNAPPEN.AT: Wie wurdet ihr auf diese Ausgrabungsstätte aufmerksam?

Michaela Löffler-Leutgeb: Wir wurden zu einer Befundaufnahme gerufen, als bei der angrenzenden Bundesstraße im Jahr 2021 die Brücke und die Böschung beim Dürnbach erneuert wurde und ein Teil eines Keramik-Brennofens zum Vorschein kam.

Später wollte die Gemeinde durch den Acker auf dem wir jetzt arbeiten, ein Rohr verlegen, um Wasser vom Dürnbach in den Erlbach einzuleiten. Wir führten die Geomagnetik durch und sahen erstmals, dass der Acker voll war mit Öfen, Gruben- und Pfostenhäusern.

In der Magnetik erkannten wir sogar Hügelgräber aus der Zeit 500 vor Christus, die bis zur Bundesstraße reichten und die scheinbar während der Römerzeit planiert wurden.

In der Freizeit

SCHNAPPEN.AT: Wie ging es dann weiter?

Michaela Löffler-Leutgeb: Nachdem wir 2023 nicht mit einer Finanzierung für die Ausgrabung am ganzen Feld gerechnet hatten, borgten wir uns (einige Archäologen-Freunde) in unserer Freizeit das Magnetometer aus. In unserer Freizeit beantragten wir archäologische Maßnahmen beim Bundesdenkmalamt und sprachen mit den Grundstückseigentümern.

Zwei Jahre lang begingen wir wochenendweise das ganze Feld mit Magnetik und wissen jetzt, dass laut unseren Magnetdaten 120 Öfen, verschiedene Grubenverfüllungen, Pfostenhäuser und Strukturen von Hügelgräbern zu finden sind.

 

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Funde aus der Steinzeit

2026SuedburgenlaendischesCarnuntumFotocPrinzSCHNAPPENatSCHNAPPEN.AT: Gibt es Verbindungen mit Funden aus dem Jahr 2020, die aus der Steinzeit stammten?

Michaela Löffler-Leutgeb: Wir haben tatsächlich auch Gruben mit steinzeitlichen Funden entdeckt. Funde aus der Zeit um etwa 5.000 vor Christus. Dort haben wir aber noch nicht gegraben, sondern nur einige Streufunde aufgenommen.

Im Bild: Keramik-Brennöfen aus der Römerzeit entdeckt.

Vom Neolithikum bis zu den Römern

SCHNAPPEN.AT: Was macht diesen Fundort beim Badesee Burg so interessant?

Michaela Löffler-Leutgeb: Der Fundplatz ist deshalb so extrem interessant, weil er so lange besiedelt war. Wir haben Funde von der Neolitik (9500 v. Chr.) bis zu den Römern. Der Höhepunkt war eben zur Römerzeit, als man auf dem ganzen Feld verstreut 120 Keramikbrennöfen hatte. 

SCHNAPPEN.AT: Wir sehen hier nur Erdschichten, verschiedene Farben und Scherben. Wie kann man sich so einen Brennofen vorstellen?

Michaela Löffler-Leutgeb: Vom Aufbau her kann man sich den Brennöfen so vorstellen, dass die Öfen wabenförmig eine Kuppel aus rot gebrannten Ton und einen Schornstein hatten. 120 Brennöfen auf dem Feld, das war sicher ein imposantes Bild. 

 

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Was ist auf dem Feld noch zu finden?

GebrauchskeramikRoemerzeitFotocPrinzSCHNAPPENatSCHNAPPEN.AT: Was lässt sich auf diesem Feld noch erkennen?

Michaela Löffler-Leutgeb: Wir sehen, dass hier vor Ort der Lehm aus einer Lehmgrube für die Weiterverarbeitung entnommen wurde. Die ganze Industrie war hier an einem Ort stationiert. 

SCHNAPPEN.AT: Woher stammen diese Scherben, die hier haufenweise rumliegen?

Michaela Löffler-Leutgeb: Das ist das kaputte Geschirr. Das sind Scherben der damals produzierten Gebrauchskeramik. Wir sehen hier auch Abfallgruben, wo das kaputte, grau-gebrannte Geschirr reingeworfen wurde. Teile, die nebeneinander liegen, versuchen wir gemeinsam zu bergen und auch zusammenzukleben.

Im Bild: Ein dolium, ein riesiges bauchiges Gefäß, in dem zum Beispiel Trockenfrüchte und Weizen gelagert wurden.

Frisch aus dem Ofen

SCHNAPPEN.AT: Das heißt, das Geschirr, das hier zu finden ist, wurde nie verwendet?

Michaela Löffler-Leutgeb: Ja, so ist es. Wir haben die schönsten Teller und Teile ohne Gebrauchsspuren. Es ist alles frisch aus dem Ofen. Es ist top!

Bestimmt werden wir im Laufe der Zeit noch Geschirr finden, das hier hergestellt wurde.

 

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Wichtige Funde: Südburgenländisches Carnuntum?

OberwartBadeseeBurgFundstelleWirdAbgedecktFotocPrinzSCHNAPPENatSCHNAPPEN.AT: Wie wichtig sind diese Funde? Verbirgt sich hier ein südburgenländisches Carnuntum?

Michaela Löffler-Leutgeb: Das ist eine römische Industriesiedlung. Römische Siedlungen mit Häusern, Wohnräumen und Lager gibt es überall entlang des Limes, in Carnuntum, in Wien, in Mautern und entlang der Donau. Was wir aber kaum haben und wenig darüber wissen, ist das Leben im Hinterland außerhalb der Städte. 

Dass wir das in unserer Freizeit bespielt haben, ist ein reiner Glücksfall. Auch ist es ein Glücksfall, dass uns die Uni jetzt mit der Lehrgrabung unterstützt. 

Im Bild: Keramik-Brennöfen aus der Römerzeit entdeckt.

Wichtiger Knotenpunkt

Der Platz beim Badesee Burg dürfte über Jahrtausende ein wichtiger Knotenpunkt menschlicher Aktivität gewesen sein. Jungsteinzeitliche Oberflächenfunde wie Keramikscherben und Reste von Langhäusern aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus in unmittelbarer Umgebung deuten auf die guten Voraussetzungen der Region hin.

So zeugt auch das hallstatt- nd römerzeitliche Schandorfer Hügelgräberfeld, das in 1,5 Kilometer Entfernung vom Fundplatz in Burg liegt (SCHNAPPEN.AT berichtete - hier).

Freilegung für Öffentlichkeit

SCHNAPPEN.AT: Die Ausgrabungen in Burg müssen am 7.8.2026 wieder geschlossen werden. Würde sich eine komplette Freilegung der Fundstelle lohnen?

Michaela Löffler-Leutgeb: Meiner Meinung nach "ja". Aber es wäre die Finanzierung und das Einverständnis der Eigentümer notwendig. Was anzudenken wäre, wäre eine Ausstellungsstätte.

 

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Projekt finanzieren

2026RiesigesFeld120BrennoefenFotocPrinzSCHNAPPENat34SCHNAPPEN.AT: Wie geht es jetzt weiter?

Michaela Löffler-Leutgeb: Wir haben tatsächlich ein riesiges Produktionszentrum entdeckt und jetzt werden noch Proben untersucht.

Im Bild: Hier auf diesem Feld standen ursprünglich in der Römerzeit 120 Keramikbrennöfen.

SCHNAPPEN.AT: Die Zukunft der Ausgrabungsstätte?


Michaela Löffler-Leutgeb:
 Jetzt, nachdem wir wissen, was da drinnen ist, ist es auch einfacher Projekt durchzubekommen und zumindest für den wissenschaftlichen Teil eine Finanzierung zu sichern. 

SCHNAPPEN.AT:  Um welchen Betrag handelt es sich da?

Michaela Löffler-Leutgeb: Wir arbeiten mit Projektsummen um die 400.000 Euro für vier Jahre. 

SCHNAPPEN.AT:  Herzlichen Dank für das Gepräch!

 

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Touristisch beleben, wie das Hügelgrab in Schandorf?

Im Burger Nachbarort Schandorf wurde nach den großartigen Ausgrabungsergebnissen ein multimediales Hügelgrab errichtet um die archäologische Stätte auch touristisch zu beleben.

Im Bild: Nachgebautes Hügelgrab als touristischer Kulturort in Schandorf.

Ob in Burg vielleicht schon bald ein großer Brennofen mit ausgestellten Fundstücken aus der Ausgrabungsstätte zu sehen sein wird, das steht noch in den Sternen.

 

 

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  • Veranstaltungen im Burgenland und in anderen Teilen von Österreich - hier