Das Burgenland setzt auf Pflegekräfte aus Drittstaaten während bundesweit über den drohenden Pflegenotstand diskutiert wird und darüber, dass bis 2030 etwa 76000 zusätzliche Pflegekräfte fehlen werden. Seit Anfang Jänner 2026 versieht erstmals eine Pflegekraft aus Indien ihren Dienst in der Klinik Oberwart.
Landshauptmann Hans Peter Doskozil: "Während auf Bundesebene seit Jahren über notwendige Reformen diskutiert wird, handeln wir im Burgenland seit Jahren vorausschauend, um hochwertige pflegerische Versorgung garantieren zu können. Ich bin froh, mit Melby Joseph die erste indische Pflegekraft in der Klinik Oberwart begrüßen zu dürfen".
Zusammenarbeit mit Indien
Es besteht eine langjährige Partnerschaft zwischen der Diözese Eisenstadt und der indischen Diözese Kanjirapally, mit der 2024 die konkrete Zusammenarbeit im Pflegebereich in die Wege geleitet wurde. Auch die Barmherzigen Brüder setzen auf Verstärkung durch indische Pflegekräfte. Im Krankenhaus in Eisenstadt sind bereits neun Frauen aus Indien tätig.
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Zukunftsplan Pflege: "Leistbar, qualitätsvoll und in Würde"
Um die prognostizierte Pensionierungswelle und den steigenden Betreuungsbedarf zu bewältigen, setzt das Burgenland auf ein breites Maßnahmenpaket.
Arbeitskräfte aus Kroatien, Serbien, Philippinen und Indien
Bis 2030 braucht das Burgenland zusätzlich rund 1.700 Pflegekräfte. Deshalb wurden mehrere internationale Projekte gestartet: mit dem BFI für Arbeitskräfte aus Kroatien und Serbien, mit Rekrutierungsprogrammen auf den Philippinen und auch durch Kooperationen für Pflegekräfte aus Indien.
Das Burgenland unternehme derzeit eine "enorme Kraftanstrengung" zur Ausbildung von Pflegefachkräften, etwa durch ein Anstellungsmodell ab dem ersten Ausbildungstag (inklusive voller Versicherung, rund 1.000 Euro netto monatlich und einer Jobgarantie ab Tag eins), dennoch brauche es zur Abdeckung des steigenden Personalbedarfs auch zusätzliche Fachkräfte, die man mit den gezielten Kooperationen gewinnen will.
"Pflegepersonal aus dem Ausland ergänzt jene Bereiche, die wir durch Ausbildung alleine nicht abdecken können. Die Pflegekräfte aus Indien sind ein wichtiger Baustein einer breit angelegten Lösung", so Doskozil.
Soziallandesrat Leonhard Schneemann dazu: "Beide Wege, also unsere Ausbildungsoffensive im Land und die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten, sind entscheidend, um Pflege und Betreuung dauerhaft abzusichern."
Barmherzige Brüder Eisenstadt
Basierend auf einer Zusammenarbeit mit dem Orden der Barmherzigen Brüder im südindischen Kerala werden Pflegefachkräfte mit einem universitären Abschluss ausgebildet. Während der Ausbildung lernen sie intensiv Deutsch und werden umfassend auf ihre Übersiedlung nach Österreich vorbereitet. Seit Oktober 2024 sind im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt neun junge Frauen aus Indien in der stationären Pflege in verschiedenen Bereichen tätig.
"Die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen aus Indien haben unsere Teams auf den Stationen bereichert. Seit ihrer Ankunft vor 14 Monaten haben die Mitarbeiterinnen sich die fachlich weiter qualifiziert und sich gut bei uns in Eisenstadt eingelebt", erzählt Pflegedirektorin Susanne Wukovatz.
Dieses gezielte Ausbildungsprogramm der Barmherzigen Brüder leistet einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Entlastung des Personalbedarfs in der Pflege.
Pflegevorreiter mit 71 Pflegestützpunkten
Der Ausbau der Pflegestruktur schreitet weiter voran. Die 71 Pflegestützpunkte werden künftig alle nichtstationären Leistungen unter einem Dach vereinen, von Betreutem Wohnen über Tagesbetreuung bis hin zu Pflege- und Sozialberatung sowie mobiler Hauskrankenpflege.
Das Land wird dafür in 28 Pflegeregionen gegliedert. Mit Kobersdorf, Deutsch Jahrndorf, Unterkohlstätten, Grafenschachen und Müllendorf biegen fünf weitere Stützpunkte in die Zielgerade. In 17 weiteren Gemeinden erfolgte bereits der Spatenstich.
Anstellungsmodell als Meilenstein
Ein weiterer Meilenstein ist das Anstellungsmodell für betreuende Angehörige und ihre Vertrauenspersonen. Erstmals arbeiten pflegende Angehörige in einem regulären Dienstverhältnis, mit fixem Einkommen, Pensionszeiten und voller sozialer Absicherung. In über fünf Jahren haben bereits mehr als 730 Menschen dieses österreichweit einzigartige Angebot genutzt, aktuell sind rund 400 Betreuende angestellt.
Angebot im stationären Bereich
Auch im stationären Bereich wächst das Angebot stark: Die neuen Pflegeheime in Zurndorf und Redlschlag sind in Betrieb, Draßburg wurde erweitert, Olbendorf befindet sich im Ausbau. Insgesamt stehen in 45 burgenländischen Alten- und Pflegeheimen rund 2.300 Plätze zur Verfügung.
Pflegeberatung
Zudem beraten derzeit 14 Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater an allen Bezirkshauptmannschaften kostenlos und künftig werden es durch die Pflegestützpunkte 28 sein. Mit Pflegestützpunkten, Anstellungsmodellen, internationalem Recruiting und der größten Ausbildungsoffensive in seiner Geschichte setzt das Burgenland österreichweit Standards.
"Mit dem Zukunftsplan Pflege sichern wir die Versorgung langfristig ab und bieten allen Menschen leistbare, qualitätsvolle Angebote für ein Altern in Würde", sind sich LH Doskozil und LR Schneemann einig.
2022 das neue Pflegemodell: 70 zentrale Stützpunkte in 28 Regionen
Das Land Burgenland schafft ein neues Pflegemodell, damit alte Menschen in Würde altern dürfen und solange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben und gepflegt werden können. Durch zentral geregelte Hauskrankenpflege, Tagesbetreuungseinrichtungen, betreute Wohnformen und die Pflege- und Sozialberatung sollen die zu pflegenden Menschen weiterhin Teil der Gemeindebevölkerung bleiben.
In 28 Regionen mit über 70 Subregionen soll es jeweils einen Pflegestützpunkt geben. Die gesamte nicht-stationäre Versorgung geht künftig über einen Träger. Start ist im Sommer 2022 mit zwei Pilotregionen, bis 2024 soll das Modell im gesamten Burgenland laufen. Das bedeutet, dass in jedem der etwa 70 Standorte des Burgenlandes mobile Hauskrankenpflege stattfindet, eine Tagesheimstätte errichtet wird und auch betreutes Wohnen möglich sein soll.
Am 24.1.2022 präsentierten Landes-Chef Hans Peter Doskozil und Soziallandesrat Leonhard Schneemann im Kulturzentrum Eisenstadt (Österreich) das neue Pflegemodell den Medienvertretern. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil: "Das ist ein einzigartiges Modell in ganz Österreich. " Mehr über
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Mobile Hauskrankenpflege, Tagesheimstätte & betreutes Wohnen
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil: "Die Pflege ist ein ganz wesentliches Thema unserer Gesellschaft, es muss uns ständig beschäftigen. Es ist aus meiner Sicht auch eine Verantwortung gegenüber der älteren Generation, dass wir uns damit auseinandersetzen und auch sicherstellen, dass man in Würde altern kann und bei Bedarf auch versorgt ist."
Neu organisieren
Doskozil über die weit über 40 Pflegeheime im Burgenland und die Neustrukturierung der mobilen Hauskrankenpflege, der Tagesheimstätten und des betreuten Wohnens: "Diese Elemente müssen neu organisiert werden, weil es nicht darum geht, was die beste Organisationsform für die einzelnen Institutionen ist, sondern darum, mit den vorhandenen Mitteln den größtmöglichen Effekt für die Bevölkerung zu erzielen."
28 Regionen, 70 Subregionen
Das Burgenland soll für das neue Pflegemodell in 28 Regionen geteilt werden. In diesen Regionen werden dann etwa 70 Subregionen mit einer Zielgröße von 4.000 Einwohnern, etabliert.
Infrastruktur
Burgenlands Landes-Chef über das Modell: "Pro Subregion wird es hinkünftig eine Pflegedestination, eine Pflegestation, eine Infrastruktur geben, die sich explizit für diese Region mit den Themen mobile Hauskrankenpflege, Tagesheimstätten und betreutes Wohnen auseinandersetzt. Das bedeutet, dass in etwa 70 Standorten des Burgenlandes mobile Hauskrankenpflege stattfindet, je eine Tagesheimstätte errichtet wird und auch betreutes Wohnen möglich sein soll."
Wohnortnahe Pflege
Doskozil über die Vorteile dieses Modells und die wohnortnahe Pflege: "Dadurch haben wir die Möglichkeit in die Ortschaften, in die Gemeinden zu gehen, um wieder hin zu den Menschen zu kommen. Wenn wir das regional auf eine Subregion beschränken, haben wir in der Hauskrankenpflege auch die langen Fahrtstrecken nicht mehr."
Stützpunkt
"Das bedeutet, es wird in den kleinen Ortschaften eine bauliche Infrastruktur geben, wo der Stützpunkt der mobilen Hauskrankenpflege ist, wo es ein Tagesheimzentrum gibt und in weiterer Folge, wo betreutes Wohnen angeboten wird", fasst der Landeshauptmann zusammen.
Doskozil: "Wenn sich die Zivilgesellschaft engagiert, wird es einen Dorfplatz und einen Treffpunkt geben, der ältere Menschen im Alter begleitet."
Gemeinsam
"Wir wollen alle Träger mitnehmen, es wird nicht das Land die mobile Hauskrankenpflege anbieten, sondern, wir wollen die Tätigkeit der mobilen Hauskrankenpflege, den Bereich des betreuten Wohnens und den Bereich der Tageszentren in den Händen der jetzigen Anbieter belassen. Das Angebot das errichtet werden muss, wird seitens des Landes organisiert und dann brauchen wir die Partner, die auch jetzt die mobile Hauskrankenpflege anbieten, um die Stützpunkte zu betreiben", führt Hans Peter Doskozil aus.
Ein Anbieter pro Region
Nach einer Evaluierungsphase an zwei Standorten ab Sommer 2022 sollen bis zum Jahr 2024 die 70 Subregionen umgesetzt werden. 2023 gibt es eine Ausschreibung und danach für jede Region einen Anbieter.
Neun Mitarbeiter / Standort
"Ich hoffe, dass die derzeitigen Anbieter diesen Weg mitgehen. Wir können aus den Mitteln der mobilen Hauskrankenpflege, die wir heute zur Verfügung stellen, an jedem dieser 70 Standorte mit neun Mitarbeitern dotieren", so Doskozil.
Regionale Gliederung
Soziallandesrat Leonhard Schneemann: "Das wesentliche ist die regionale Gliederung mit den 28 Regionen im Burgenland. Die Subregionen sind ein weiterer Meilenstein. Der Unterschied zwischen einer Pflegregion mit 8.000 bis 12.000 Einwohner und der Subregion ist der, dass wir in jeder der Regionen eine fachliche Leitung und zusätzlich in jeder dieser Pflegregionen einen Pflegeberater (Case & Care Manager) einsetzen."
Eigenes Zuhause
"Die Lebenswartung steigt und die Menschen wollen möglichst lange im eigenen Zuhause betreut und wenn möglich auch gepflegt werden. Hier bedarf es einer entsprechenden Beratung und mit diesem neuen Konzept können wir einen Schritt in diese Richtung machen", fügt der Soziallandesrat hinzu, der nun auch intensive Gespräche mit allen Trägerorganisationen der Pflegeeinrichtungen und Hauskrankenpflege im Burgenland führen wird.
24-Stunden-Pflege?
Doskozil: "Der Stützpunkt wird sich auch darum kümmern, wo 24-Stunden-Pflege eingesetzt werden muss. Wir haben gesehen, wie abhängig wir von den ausländischen 24-Stunden-Kräften sind. Es gibt viele Fälle, die gar keine volle 24-Stunden-Pflege brauchen und genau diese Fälle können mit dem neuen Pflegemodell kompensiert werden."
Bewerbung
Alle Trägerorganisationen der mobilen Hauskrankenpflege sind nun aufgerufen, sich für die jeweiligen Stützpunkte zu bewerben.
Doskozil: "In 28 Regionen werden Bewerbungen ausgeschrieben. Pro Stützpunkt werden wir einen Anbieter haben. Ich kann niemanden zur Bewerbung zwingen aber ich gehe davon aus, dass die Anbieter den Weg mitgehen werden. Wir sind allerdings nicht den Betreibern verpflichtet, sondern der Bevölkerung. "
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