Nach mehr als 60 Jahren wurden Mitte Mai 2026 die Rinder wieder erstmals auf den 302 Meter hohen Spitzerberg in Hundsheim in der Marktgemeinde Prellenkirchen im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich getrieben.
Im Bild: Almauftrieb im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich. Foto (c) WWF F. Razumovsky
Mit dem Almauftrieb erhalten die Tiere nicht nur eine zentrale Rolle in der Pflege des Europaschutzgebietes, sondern mit den Trockenrasen auch einen selten gewordenen Lebensraum.
Rinder sichern Lebensraum
Denn diese steppenartigen Biotope zählen zu den artenreichsten, aber auch gefährdetsten Lebensräumen Europas. Ohne Beweidung drohen sie zu verbuschen und ihre typische Struktur aus niedrigen Kraut- und Strauchpflanzen zu verlieren. Grasende Rinder sichern den Lebensraum für seltene Arten.
Ausweitung naturnaher Beiweidung
Der WWF (World Wide Fund For Nature), die größte Natur- und Artenschutz-Organisation in Österreich fordert die Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich
"Trockenrasen sind Hotspots der Artenvielfalt. Ihr Erhalt durch Beweidung sichert das Überleben eines ganzen Netzwerks hochspezialisierter Arten – von Schmetterlingen über Vögel bis hin zu Dungkäfern", erklärte WWF-Expertin Natalia Razumovsky im Rahmen des Almauftriebes in Hundsheim.
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Im Bild: Almauftrieb am Hundsheimer Spitzerberg in Niederösterreich.
Fotos (c): WWF N. Razumovsky
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"Vorzeigemodell: Natur- und Landwirtschaft Hand in Hand"
"Das Projekt in Niederösterreich dient",so Razumovsky, "als Vorzeigemodell: Die naturnahe Beweidung hat großes Potenzial für den Schutz und Erhalt der Biodiversität in Österreich und zeigt wie Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen”, sagte Razumovsky.
Im Bild: Bezirk Bruck an der Leitha: Almauftrieb. Foto: (c) WWF, F. Razumovsky
Der WWF setzt sich daher österreichweit für eine deutliche Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte ein, um gefährdete Lebensräume langfristig zu sichern.
Aktive Landschaftspflege
"Die Rinder halten die Flächen offen und schaffen genau die Struktur, die viele spezialisierten Arten brauchen. Das ist aktive Landschaftspflege mit Mehrwert und unmittelbarer Wirkung", fügte Landwirt Georg Prantl hinzu, der die Beweidung vor Ort umsetzt.
Die Umstellung auf Rinder folgte auf das Ende der Schafbeweidung im Jahr 2022 und zielte schon damals auf eine langfristig stabile, naturschutzfachlich abgestimmte Bewirtschaftung ab.
Davon profitieren unter anderem auch seltene Vogelarten wie der Neuntöter, Tagfalter wie die Berghexe, Blumen wie die Hainburger Federnelke sowie mehrere Dungkäferarten.
Die bedeutendsten Trockenrasen des Hundsheimer Berges befinden sich seit den 1970er-Jahren im gemeinsamen Eigentum des WWF Österreich und der Gemeinde Hundsheim und werden in Kooperation mit der Schutzgebietsbetreuung Büro VINCA (im Auftrag des Landes NÖ) verwaltet.
Das Projekt wird durch “LEADER Römerland Carnuntum” zu 60 Prozent gefördert und erfolgt in Zusammenarbeit mit dem WWF Österreich, der Gemeinde Hundsheim, der Marktgemeinde Prellenkirchen, der Naturschutz Beweidung KG, und wird unterstützt von Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung und der Abteilung für Naturschutz des Landes Niederösterreich.
Ziel ist es, die wertvollen Flächen langfristig zu schützen und nachhaltig weiterzuentwickeln.
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