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Genussakademie Burgenland: Vom Kochworkshop zur Hausapotheke

AgrarWeinmarketingBurgenlandAndreasLiegenfeldFotoWilhelmBoehmDie Genussakademie Burgenland in Donnerskirchen hat mittlerweile volle Fahrt aufgenommen. Das innovative Projekt kann seit kurzem einen Seminarplan für das Wintersemester 2015/2016 vorweisen, der die ungeheure Vielfalt burgenländischer Produkte und deren Verarbeitungsmöglichkeiten samt Kulinarik wiederspiegelt und für jeden etwas dabei hat, der/die die Vorzüge regionaler Lebensmittel nützen will.

Andreas Liegenfeld, seines Zeichens Obmann des Agrar und Genussmarketing Burgenland, nennt im Gespräch mit dem Online-Magazin SCHNAPPEN.AT weitere Strategien, Wege und Ziele zur Entfaltung des Potentials dieses Projektes. Das Interview:

Fotos / Interview: Wilhelm Böhm


Aktuelle Themen der Genussakademie in Donnerskirchen, Burgenland - hier

 

 

Die drei Säulen der Genussakademie

SCHNAPPEN.AT: Lässt sich nach ein paar Monaten Genussakademie schon ein erstes Resümee ziehen?

GenussakademieAndreasLiegenfeldFotoWilhelmBoehmAndreas Liegenfeld: Es lässt sich sagen, dass die Hardware des Hauses äußerst gelungen ist.

Die Architektur und der optische Eindruck von dem was hier erbaut wurde, ist sehr, sehr ansprechend und nun geht es darum, zur Hardware auch die Software zu entwickeln. Mit dem neuen Seminarprogramm samt umfassenden Kursangebot ist uns auch da schon ein erster Schritt gelungen. Die Software wird aber laufend adaptiert, um nach und nach neue Formate zu setzen.

Die drei tragenden Säulen der Genussakademie sind dabei klar definiert: Zum Ersten ist es die Kooperation des burgenländischen Agrar- und Genussmarketings mit Wein Burgenland. Zum Zweiten ist es die Genussakademie mit ihren vielfältigen räumlichen Möglichkeiten als Veranstaltungslokalität und zum Dritten ist es das Seminarprogramm, das sowohl auf den Produzenten als auch auf den Einkäufer und Konsumenten ausgerichtet ist.

 

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Burgenland, dass Genussland Nummer 1

SCHNAPPEN.AT: Was wird im Seminarprogramm geboten?

Andreas Liegenfeld: Ohne jetzt auf die einzelnen Kurse einzugehen, die sich ja jeder heraus suchen kann, sollen hier kein normal üblichen Kurse wie etwa ein Kochkursangeboten werden. Vielmehr will man über die Symbiose von Gebäude, Produkte aus dem Burgenland inklusive Wein, samt Verarbeitungsmöglichkeiten sehr spezielles Wissen in Richtung Genuss vermitteln.

Dem Dach Burgenland, sprich der Marke Burgenland, soll auch in den Seminaren zugearbeitet werden, um die Marke auch auf kulinarischem Gebiet weiter zu entwickeln. Alles muss letztlich dem Ziel dienen, das Burgenland als Genussland Nummer 1 in Österreich zu etablieren. Ein neues Format ist auch der burgenländische Genuss-Parcour, zum Zwecke der Kommunikation von Produzent, Einkäufer und Konsument. Dieser kann von Firmen und Privatpersonen gebucht werden. Es kommt aber auch vor, dass wir gezielt Persönlichkeiten wie die Geschäftsführer großer Lebensmittelketten einladen, um sie in Bezug auf Produkte aus dem Burgenland zu sensibilisieren.

SCHNAPPEN.AT: Wie kann so etwas konkret aussehen?

DieGenussakademieInDonnerskirchenBurgenlandFotoWilhelmBoehmSCHNAPPENAndreas Liegenfeld: Produzenten, Einkäufer, Verkäufer und Konsumenten sollten sich insgesamt für so einen Parcour drei bis vier Stunden Zeit nehmen. Zunächst um die Philosophie der Genussakademie zu erfahren.

Dann ist in unserer eigenen Backstube zu sehen was aus Getreide und Mehl machen kann oder in der darauf folgenden Weinkapelle, was mit Obst und Gemüse aus heimischen Produkten hergestellt werden kann. So ist man ständig in Bewegung und den Vorzügen der burgenländischen Produkte und deren Verarbeitung auf der Spur. Auch in der hauseigenen Küche, wo Spitzenköche tolle Speisen passend zum vorher Gesehenen kreieren.

SCHNAPPEN.AT: Werden da nur die Produkte eines einzelnen Produzenten präsentiert?

Andreas Liegenfeld: Nein, es können ruhig mehr sein, um auch vergleichen zu können. Viele Produkte der gleichen Art haben ihre regionalen Nuancen. Es sollten aus Platzgründen aber nicht mehr als 20 Personen sein, die so einen Parcour begehen. Einer homogenen Gruppe wird dann aber sehr viel geboten. Das können verschiedene Speisevariationen des burgenländischen Fisches in der Küche sein und zwischen den Speisegängen ein Abstecherin den historischen Keller, wo 7.000 Flaschen Wein ab den Jahrgang 1970 gelagert sind. Gerne kann man eine Hauptspeise auch unter ein Motto wie – Mohrochse im Vergleich zum Steppenrind– stellen, samt dazu passenden Dessert. Insgesamt ist so ein Parcour auch eine Artworkingdinner, bei dem man sehr in die Verarbeitung eingebunden ist, ohne aber selbst zu kochen. Den Köchen über die Schulter zu schauen und mit dem Produzenten zu kommunizieren ist jedenfalls ein zentraler Punkt dabei.

SCHNAPPEN.AT: Die Genussakademie ist also das Bindeglied zwischen Produzenten, Einkäufer und Konsumenten.

Andreas Liegenfeld: Kann man so sagen, wobei wir mit der burgenländischen Eventagentur Gartner noch einen Partner haben, der kulinarisch die Basisarbeit macht, sprich die Verantwortung für Hygiene und Einkauf trägt. Diese Basis kann auf Wunsch mit zusätzlichen Top-Köchen oder Top-Winzern aus dem Burgenland getoppt werden.

SCHNAPPEN.AT: Ist die Genussakademie in dieser kurzen Zeit bei den Burgenländischen Produzenten angekommen?

Andreas Liegenfeld: Die Sache ist jedenfalls im Laufen und ich sehe meine primäre Aufgabe in den nächsten Monaten darin, weiter mit Produzenten in Kontakt zu treten, um diese eventuell auch in kleineren Gruppen zu uns einzuladen.

 

 

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Aktive Produzenten, engagierte Partner & Wertschöpfung regionaler Produkte

GenussakademieDonnerskirchenEroeffnungAndreasLiegenfeldFotoBoehmSCHNAPPEN.AT: Bringen sich die Produzenten auch schon ein?

Andreas Liegenfeld: Natürlich, da bereits permanent Veranstaltungen laufen, bei denen burgenländische Produkte präsentiert werden. Wichtig ist es aber auch, den Akademiecharakter zu erhalten, indem man ständig etwas weiter entwickelt. Unter diesem Gesichtspunkt sind auch die Burgenländischen Schmankerlwirte einer unserer sehr engagierten Kooperationspartner.

SCHNAPPEN.AT: Wie weit bedient man die Laufkundschaft? Gibt es eine solche?

Andreas Liegenfeld: Es gäbe auch eine kleine Lokalität bei uns, wo man abseits vom zentralen Geschehen Sachen für Touristen und Besucher anbieten kann. In diese Richtung geht auch die Genusslounge, die wir schon über den Sommer zweimal in der Woche mit Themenschwerpunkt und großem Erfolg auf der Terrasse angeboten haben. Das ist bei regionalen Gästen und bei Touristen sehr gut angekommen.

SCHNAPPEN.AT: Und ist für den ganz spontanen Besucher, der eben gerade in der Gegend ist, auch was dabei?

Andreas Liegenfeld: Auch dafür soll es eine Räumlichkeit geben, wo bei Fachfragen auch geschultes Personal Auskunft geben kann . Was wir nicht wollen, ist ein Wirtshaus im klassischen Sinn. Die regionalen Gastronomiebetriebe sollen uns nicht als Konkurrenz empfinden, sondern als Ergänzung zur Weiterentwicklung ihrer eigenen Kulinarik.

SCHNAPPEN.AT: Welche Rolle spielt der Wein in der Genussakademie?

Andreas Liegenfeld: Wenn Kulinarik angesagt ist, wird der Wein immer eine dominante Rolle spielen, weil wir die entsprechende Einrichtung dafür haben. Wir arbeiten auch eng mit der Weinakademie in Rust zusammen. Wein ist im Burgenland das wichtigste Agrarprodukt und die Winzer wissen inzwischen auch, dass sie die Kulinarik zur Darstellung ihrer Weine brauchen. Wein und Essen gehört einfach zusammen. Es ist kommt nicht von ungefähr, wenn viele Vinotheken auch regionale Schmankerl anbieten. Die Lokomotive Wein, führt jedoch den gesamten burgenländischen Genusszug an.

 

 

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Seminarprogramm, Ausbildungen & Kurse

2015GenussakademieDonnerskirchenMariaBuschManuelaNechanskyFotoWilhelmBoehmSCHNAPPEN.AT: Sollen in die Genussakademie auch wirkliche Ausbildungslehrgänge kommen?

Andreas Liegenfeld: Das ist Zukunftsmusik, die wir im Auge haben. Wir könnten einmal zusammen mit dem WIFI und der Wirtschaftskammer oder einer weiteren Bildungseinrichtung einen akademischen Lehrgang anbieten. Oder zusammen mit der Fachhochschule Burgenland, deren Lehrgang für internationale Wirtschaftsbeziehungen vielleicht um den Aspekt der kulinarischen Regionalität erweitern. Möglicherweise könnten dann künftigeEinkäufer von Lebensmittelketten hier einen Studienabschluss erwerben

SCHNAPPEN.AT: Der Weg dorthin führt aber zunächst über Workshops und Seminare?

Andreas Liegenfeld: Ja, aber schon mit der Ausrichtung wie bei der Weinakademie über eine dreijährige Ausbildung irgendwann einen Genussakademiker hervorzubringen. Dazu müssten auch noch die Inhalte genau definiert und Kinderkrankheiten ausgemerzt werden. Kein Problem hättenwir bestens qualifizierte Lektoren zu finden. Wir haben viele Topleute im Burgenland, die zum Teil auch schon woanders unterrichtet haben.

SCHNAPPEN.AT: Wie weit sollte sich der Wirkungsgrad der Genussakademie erstrecken?

Andreas Liegenfeld: Die Auszubildenden können von überall kommen. Dem öffentlichen Auftrag entsprechend, sollen aber ausschließlich burgenländische Produkte und deren Verarbeitung im Mittelpunkt stehen. Es können hier nicht Meeresfrüchte im Rahmen einer Ausbildung oder eines Seminars das bestimmende Thema sein.

 

 

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Weinbau, Landwirtschaft & Gastronomie

SCHNAPPEN.AT: Sie sind auch Obmann des Weinbauverbandes Burgenland. Wie bringen sie sich in dieser Funktion hier ein?

Andreas Liegenfeld: Nachdem auch das Büro des regionalen Weinkomitees angesiedelt ist, ergibt sich eine sehr gute Symbiose. Wir haben auch für das Weinland Burgenland ein Haus geschaffen, das man herzeigen kann.

SCHNAPPEN.AT: Im neuen Seminarprogramm ist dennoch Essen das große Thema?

Andreas Liegenfeld: Essen und die Art der regionalen Zubereitung. Es soll auch spezielles Wissen wie die optimale Konservierung von Gemüse, die perfekte Fleischreifung, der Umgang mit dem Thema Allergie oder die Entwicklung einer Speisekarte für die Gastronomen und vieles mehr vermittelt werden. Eine Speisekarte in ein paar Jahren wird und soll anders ausschauen als jetzt, ohne dabei die Regionalität zu verlieren. Wirsind auch für die bürgerliche Gastronomie eine Plattform, auf der sie sich austauschen und diverse Trends in den verschiedensten Bereichen erkennen und verwerten.

AndreaWeinbergerWeinBurgenlandFriederikeSchmittlLandewirtschaftskammerWeinritterinFotoBoehmSCHNAPPEN.AT:Wie weit unterstützen euch Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer?

Andreas Liegenfeld: Die arbeiten in unserem Sinne gut zusammen. Und ich bin überzeugt, dass die Burgenländische Landwirtschaft und Gastronomie nur eine Chance hat, wenn sie sich durch eine gewisse regionale Veredelung vom anderen Markt abhebt. Denn unsere Betriebseinheiten sind viel zu klein, um im globalen Nahrungsmittelsegment eine bedeutende Rolle zu spielen. Die kleinen Betriebsstrukturen sollten daher noch viel mehr in die Veredelung gehen, um neue Standbeine zu schaffen.

 

 

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Die Genussakademie, die Vermarktung und der Tourismus

GenussakademieBurgenlandEroeffnungFotoWilhelmBoehmSCHNAPPEN.AT: Wie weit arbeitet die Genussakademie mit dem Burgenland Tourismus zusammen?

Andreas Liegenfeld: Der Tourismus spielt natürlich eine zentrale Rolle, wobei unsere Angebote auch in den Publikationen des Tourismusverbandes vertreten sind. Andererseits bietet die Genussakademie auch für den Burgenland Tourismus das perfekte Ambiente, um sich präsentieren zu können.

SCHNAPPEN.AT:Wo wird die Akademie kurzfristig, mittelfristig und langfristig stehen?

Andreas Liegenfeld: Kurzfristig ist es die Aufgabe Angebote zu entwickeln, über die man als Institution wahrgenommen wird, was soeben mit dem neuen Seminarprogramm in hohem Maße geschehen ist. Das soll auch zur Folge haben, dass wir die vielen Produzenten im Lande zu uns bringen, um ihnen zu zeigen, was hier in ihrem Sinne passiert. Wobei wir auch deren Anregungen gerne aufnehmen. Mittelfristig ist es für mich wichtig das Genussprodukt Burgenland über die Marke Burgenland exakt zu definieren und die Kooperation mit dem Lebensmittelhandel weiter auszubauen. Und langfristig steht der Akademiegedanke im Zentrum, der hier eine wissenschaftliche Institution verankern und eine akademische Ausbildung ermöglichen soll..

SCHNAPPEN.AT: Welche Wege geht man bei der internationalen Vermarktung?

Andreas Liegenfeld: Da muss man natürlich die Märkte beobachten aber ich sehe im konservierten Bereich, vor allem beim Gemüse, gute Möglichkeiten, wobei dies von Produkt zu Produkt anders bewertet werden muss. Positiv ist, dass die Geschäftsführung der Genussakademie und jene von Wein Burgenland in den Händen von Christian Zechmeister ist und somit für die Vermarktung eine optimale Vernetzung gegeben ist.

 

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Aktuelle Themen der Genussakademie Burgenland (Österreich)